Restaurantkritik: Zwockelsbrück in Neustadt an der Weinstraße

Es war mal wieder an der Zeit, dass ich meine Freundin zum Essen ausführe. Diesmal landeten wir in Neustadt an der Weinstraße in der Weinstube Zwockelsbrück. Wir waren vor ca. 2 bis 3 Jahren schon einmal dort. Das Essen war damals gut, wenn auch nicht sehr gut, die Preise aber leider nicht dementsprechend, sodass wir dem Restaurant keinen weiteren Besuch abgestattet haben. Nun bekam ich allerdings die Information, dass das Restaurant den Besitzer gewechselt hat und der Koch bereits in einem anderen Restaurant einen Stern erkocht hat. Einer von vielen Gründen um den Zwockelsbrück nochmal eine zweite Chance zu geben.

Ambiente

Am Tag unseres Besuches war es relativ warm, sodass wir draußen vor dem Restaurant an einem gemütlichen Tischchen Platz nahmen. Von dort hat man je nach Sitzrichtung einen schönen Blick zwischen ein paar alten Häusern hindurch bishin zu den Neustädter Weinbergen. Der Innenraum hat sowohl einen gewissen Landhaus-Charme als auch einen angenehmen Wohnzimmer Charakter. Holz in braun und weiß dominiert den Raum und man fühlt sich direkt wohl.
zwockelsbrueck Bild-Quelle: http://www.zwockelsbrueck.de/galerien/restaurant

Karte & Speisen

Die Karte ist wie nicht anders zu erwarten schön kompakt gehalten. Wählen kann man zwischen jeweils sechs Vor- (7€ bis 13€) und Hauptspeisen (14€ bis 23€) sowie drei Desserts (7€ bis 9€). Von Fleisch über Fisch bishin zu vegetarischen Gerichten ist alles vorhanden und jeder Gast wird hier auf seine Kosten kommen und das richtige Gericht finden. Wir entschieden uns an dem Abend aber jeweils für das empfohlene Menü bestehend aus 4 Gängen (42€).

Nach einem kleinen Appetitanreger in Form von frischen Weißbrot, hausgemachten Knäckebrot und etwas Frischkäse, ging es direkt los mit einer kalten Melonen Tomaten Suppe. Die war an diesem heißen Tag genau das richtige und war wunderbar abgeschmeckt. Faszinierend war, dass je nach dem worauf man sich konzentriert hat, entweder die Melone oder die Tomate dominiert hat. Absolut gelungener Start.

Tagliatelle mit gegrillten Garnelen und Krustentierschaum

Der Zwischengang war ein sehr leckerer Pasta Gang. Tagliatelle mit gegrillten Garnelen und Krustentierschaum. Handwerklich sehr gut gemacht und auch sehr sehr lecker. Sogar ich, als jemand der nicht der größte Fan von Meerestieren ist, war durchaus angetan. Die Garnelen waren auf dem Punkt und der Schaum wirklich köstlich.

Abseits des geplanten Menüs bekamen wir nachfolgend noch mein persönliches Highlight des Abends serviert. Ein Onsen-Ei auf einem Shitake-Petersilien-Haferflocken-Pesto im Pfifferling Sud. Das Onsen-Ei ist ein normales Hühnerei, dass für eine Stunde bei ~64° gegart wird, was dem Eigelb zu einer einzigartigen wachsweichen Konsistenz verhilft. Das ganze geräuchert und serviert in einem Einmach Glas. Je nach dem wie viel Raucharoma man wünschte, konnte man das Glas direkt öffnen oder eben noch etwas stehen lassen. Spätestens jetzt merkte man, dass hier jemand auf Sterne-Niveau am Werk war.

geräuchertes Onsen Ei Perlhuhnbrust mit Pfifferling-Bohnen Gemüse

Zum Hauptgang wurde uns eine Perlhuhnbrust mit Pfifferling-Bohnen Gemüse sowie einem unfassbar leckeren Selleriepüree und einem erstklassigen Schalottenjus serviert. Die Perlhuhnbrust war perfekt zubereitet und sagenhaft saftig, das Püree mit ausreichend Butter und etwas Zitrone abgeschmeckt und auch das Gemüse und die Sauce wussten zu überzeugen. Auch hier volle Punktzahl für den Geschmack und eine handwerkliche Meisterleistung.

Der Abschluss bildete ein Zweschgenkompott mit einem Butterkeks-Eis. Sehr gehaltvoll und sehr lecker. Das Eis war der Knaller und wär ich nicht bis zum Anschlag voll gewesen, wäre ich wohl in Versuchung gekommen noch einen Nachschlag davon zu bestellen.

Alles in Allem kriegt man in der Weinstube Zwockelsbrück gehobene Küche zu einem fairen Preis. Zwar muss man für das ein oder andere Gericht etwas tiefer in den Geldbeutel greifen, aber man bekommt dafür auch etwas geboten. Qualität und Handwerk stimmen im Zwockelsbrück. Für den Abend haben wir zu zweit etwas 100€ in dem Restaurant gelassen, sind aber glücklich, satt und sehr zufrieden nach einem tollen Abend nach Hause gefahren, sodass ich nur nochmal mal erwähnen kann, dass das Preis Leistungs Verhältnis hier wirklich super ist.

Service und Personal

Der Service ist stets aufmerksam und sehr kompetent. Auf Nachfragen konnte immer direkt geantwortet werden. Beide Mitarbeiter wussten über jede verwendete Zutat in jedem Gericht bescheid und gaben bereitwillig und mit viel Freude Auskunft. So soll es sein.

Resumé

Die Weinstube Zwockelsbrück in Neustadt zählt definitv zu den Top Adressen in der Pfalz, wenn es darum geht sehr gute Küche zu einem fairen Preis zu bekommen. Die kleine und wechselnde Karte ist gut durchdacht und bietet für jeden Gaumen etwas Besonderes.

Ich vergebe: außerordentliche 9 von 10 Kleckerpunkte

Adresse

Weinstube Zwockelsbrück
Bergstr. 1
67434 Neustadt an der Weinstraße
Telefon: +49 6321 87 91 707
Website: www.zwockelsbrueck.de
E-Mail: info@zwockelsbrueck.de

Bewertung

9 Kleckerpunkte

13 Kommentare

  • Jana sagt:

    Hallo Jens!

    Das mit dem neuen Besitzer habe ich nicht mitbekommen, obwohl ich um die Ecke wohne.
    Ich habe nur mitbekommen, dass die Karte interessanter und raffinierter wurde.

    Nach dieser Empfehlung werde ich der Zwockelsbrücke aber auf jeden Fall wieder einen Besuch abstatten.

    Viele Grüße
    Jana

  • brittakama sagt:

    Danke für das schöne Review, ich bin ja gerade um die Ecke 🙂 eine Kollegin hat mir das auch schon empfohlen. Die Teller sind ein Grund mehr zum Ausprobieren, wüsste zu gerne eine Bezugsquelle 😀

  • Matthias von den Weinfreunden sagt:

    Zwockelsbrück ist wieder ein Gewinn für Neustadt, toll was das Team aus der Küche zaubert, extrem klasse der Service. Sehr schön die Weinkarte……….alles in allem , absolut empfehlenswert 😉

    • Jens sagt:

      Hi Matthias,
      genau meine Meinung 😉

    • Barbara Wasem sagt:

      Also, was das Essen betrifft, so kann ich nur zustimmen. Allerdings waren wir über die sehr hohen Weinpreise, und das bei 0,1 bzw. 0,2 schon sauer. Ausserdem waren die Weine (bei etwa 25 Grad Aussentemperatur) nur unzureichend gekühlt und wurden ohne Kühlung ( Weinkühler) serviert. Bei dem Wetter sind sie natürlich ganz schnell warm, auch wenn wir alle immer nur 0,1 bestellt hatten.

  • Axel J. sagt:

    Wie immer ist die Bewertung sehr gut geschrieben, alles ist illustrativ geschildert (die gut ausgeleuchteten Bilder nicht zu vergessen) und inhaltlich können wir nach 2 Besuchen dem nur zustimmen. Bravo Jens, uns haben alle Beiträge bis heute sehr gut gefallen. Was das Perlhuhn angeht, so hat der Verfasser schon hinlänglich beschrieben, wie man so was macht: sous-vide und dann übergrillen. Endlich geht’s in Neustadt bergauf mit der traurigen kulinarischen Szene, die neuen Inhaber kann man nur motivieren und Liebe Neustadter: geht hin!! Danke für diesen wahrhaftigen Beitrag!

  • Günther sagt:

    Hallo zusammen, also wir waren jetzt auch in der Zwockelsbrück, und hab dann auch 4 Speisen aus dem 5 Gänge-Menü gegessen. Qualität und Service ist wirklich so gut wie schon hinlänglich beschrieben. Der Betriebsleiter hat mir sogar die Smoke Gun am Tisch gezeigt, mit der sie das Onsen-Ei beräuchern… fand ich gut. Das Dessert hatte allerdings nach meiner Meinung nicht die Qualität der anderen Gänge. Da würde ich doch lieber das auf einen Teller, anstatt im Glas, angerichtet vorschlagen wollen… die Mandarinen waren so kalt, dass die mir auf den Zähnen beim Draufbeißen weh taten.

    Aber – die Zwockelsbrück ist zu empfehlen.

    Na ja – der 10€ Strafzettel am Auto (parken nur für Anwohner) war nit der Hit. Und im Vorbeifahren hab ich dann den Parkplatz des Lokals im Hof gesehen …

    Gruß, Günther

    • Jens sagt:

      Hi Günther,

      freut mich wenn ihr einen schönen Abend hattet. Das mit dem Dessert ist schade. Bei uns war damals alles in bester Ordnung.

      Guter Hinweis mit dem Parken. Den Parkplatz haben wir damals auch nicht wahr genommen und auf gut Glück an der Straße geparkt 😉 Glücklicherweise mit besserem Ende als bei dir.

      Gruß
      Jens

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