Der Alpen Burger

Der Wecker klingelt um 05:30 Uhr. Nach einem kleinen Frühstück packe ich meinen Rucksack, schnüre meine Wanderstiefel und mache mich auf den Weg. Die Wanderung beginnt im Tal des Hungers. Erstes Sonnenlicht dringt hinter den Bergspitzen des Mount Burgers, dem dritthöchsten Berg in den Schweizer Alpen, hervor. Mein heutiges Tagesziel ist eine kleine Hütte auf dem Gipfel des Berges, die ich noch vor Anbruch der Dunkelheit erreichen möchte.

Mein Weg führt mich vorbei an kleinen Käsereien und Kuh-Herden, an Bächen und Wiesen. Idylle pur. Gegen Mittag nehme ich etwas abseits vom Weg Platz auf einem 3x3m großen glatten Felsplatte, esse ein Stück von dem Käse, den ich unten in der Käserei mitnahm und trinke von dem frischen Quellwasser, welches ich mir zuvor am Bach in die Feldflasche abgefüllt hatte. Der Felsen hat sich in der Sonne aufgewärmt. Ich blicke ein letztes mal ins Tal bevor ich mit dem Rucksack unterm Kopf in der wohligen Wärme der Sonne für ca. eine halbe Stunde wegdöse.

Weiter geht’s. Keine Zeit verlieren. Nach einigen weiteren Stunden wird der Weg nun zunehmend steiler und das Gelände uneben. Zudem frischt es auf und ein kühler Wind macht das Weiterkommen sehr unangenehm. Zu allem Überfluss fängt es nun auch noch an zu regnen. Als ich den Rucksack absetze, um mir meine Regenjacke herauszuholen und mich noch ein letztes mal zu stärken, bemerkte ich, dass ich mein Brot, welches ich mir in der Früh als Proviant geschmiert hatte, unten an dem Felsen vergessen habe. Shit happens.

In der Ferne sehe ich nun schon die Hütte. Aus dem Regen ist mittlerweile ein fieser Schneeregen geworden, der mir angetrieben vom Wind ins Gesicht peitscht. Die Kapuze tief bis unter die Augen gezogen und mit knurrendem Magen mache ich mich auf, um die letzten 500 Höhenmeter hinter mich zu bringen. Ich denke kurz darüber nach aufzugeben, verwerfe den Gedanken aber schnell wieder. Aufgeben liegt mir nicht.

Meine Kleidung ist mittlerweile komplett durchgenässt. Ich war nicht auf dieses Wetter vorbereitet. Die Dämmerung setzt ein. In der Ferne sehe ich wie in der Hütte die Lichter angehen und motiviere mich für die letzten Meter. Durchgefroren und nass erreiche ich endlich die Hütte. Der alte Holzofen versprüht eine angenehme Wärme und meine Hände schmerzen wie von 100 Nadelstichen, als sie allmählich anfangen aufzutauen. Ein grauhaariger Mann mit Vollbart begrüßt mich murmelnd und bittet mich mit einer Handbewegung in die Stube einzutreten. Er ist schätzungsweise Ende 50, trägt Blue-Jeans, einen grauen Rollkragenpullover und Hosenträger. Er stellt sich mir als Urs vor und freut sich über meinen Besuch. Ich bin an dem Abend scheinbar der einzige Gast.

Ich nehme vor dem Kamin Platz. Urs war verschwunden, doch ich konnte seine Anwesenheit noch deutlich hören. Von irgendwo klapperte und polterte es auf einmal und nach weiteren 5 Minuten zischte und brutzelte es. Da ich die ganze Zeit mit auftauen und trocknen beschäftigt war, merkte ich nicht, wie hungrig ich eigentlich war.  Als dann aber dieser wohlige Geruch durch die Hütte strömte, wollte ich nur noch eins: Essen!

Der Alpenburger

Urs musste das gemerkt haben. Nach wenigen Minuten kam er mit einem Wahnsinn von einem Burger in den Gastraum. Obwohl ich ihn nicht darum gebeten hatte, stand nun ein Burger mit Beef-Patty, Sauerkraut, Bacon, Appenzeller und Spiegelei auf einem frischen Laugenbrötchen vor mir. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich nichts anderes haben. Kein Kaiserschmarrn, keine große Brotzeit, keine Gulaschsuppe, sondern einfach nur diesen Burger.

Noch etwa zwei bis drei Stunden saß ich mit Urs noch in der Stube. Er erzählte mir, dass er alle Zutaten von den Höfen im Tal habe. Wir unterhielten uns über Nachhaltigkeit und gute Burger. Ich hätte noch viele weitere Stunden mit ihm reden können, doch irgendwann musste ich einfach ins Bett. Am nächsten morgen verabschiedete ich mich von Urs und versprach bald wieder zu kommen.

UPDATE: Dieser Burger ist im August 2016 in der Online Ausgabe des REWE Magazins „frisch & gut“ erschienen. Neben meinem findet ihr dort auch noch weitere coole Burger Rezepte.

Der Alpenburger

Rezept & Zutaten (für 4 Burger)

Für das Sauerkraut

  • 1/4 Weißkohl
  • 1 kleine Zwiebel
  • 100 ml Weißweinessig

Für den Burger

  • 4 Laugenbrötchen
  • 500g Rinderhackfleisch
  • Senf eurer Wahl
  • fertiges Sauerkraut
  • 8 Scheiben Bacon
  • Appenzeller Käse
  • 4 Eier

Alpenburger Alpenburger

Zubereitung

#1: Für das Sauerkraut den Weißkohl und die Zwiebel sehr fein schneiden. Erst die Zwiebel in etwas Öl im Topf anschwitzen, dann den Kohl dazu geben und ebenfalls leicht anbraten. Salzen. Mit dem Essig ablöschen und das Kraut ca. 45 Minuten bei geschlossenem Deckel weich kochen. Gelegentlich umrühren. Ggf. mit Essig oder Wasser auffüllen, falls zuviel Flüssigkeit verdampft. Am Ende mit Salz und Pfeffer abschmecken.

#2: Währenddessen das Rinderhackfleisch mit Salz und Pfeffer würzen und zu Patties á 125g formen. Den Appenzeller in Streifen schneiden.

#3: Patties in einer heißen Pfanne von beiden Seiten ca. 1-2 Minuten (je nach Dicke) anbraten. Danach den Appenzeller auf die Patties legen, den Deckel auf die Pfanne setzen und vom Herd nehmen. Die Resthitze sollte jetzt den Burger durchgaren und den Käse schmelzen.

#4: Bacon in einer separaten Pfanne mehrfach wenden und bei mittlerer Hitze knusprig braten. Danach auf Küchenpapier abtropfen lassen. In der gleichen Pfanne nun vier Spiegeleier braten. Die Eier mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen.

#5: Laugenbrötchen aufschneiden. Auf der Unterseite Senf verteilen. Darauf ordentlich Sauerkraut verteilen, 2 Scheiben Bacon, das Patty und das Spiegelei. Deckel drauf und ab dafür!

4 Kommentare

  • Das liest sich verdammt lecker! Mit richtigem selbst gemachten Sauerkraut werden wir den sicherlich mal nachbauen. Wir produzieren ja jedes Jahr eine ordentliche Menge Sauerkraut, die nur mit Salz und ein wenig Meerrettich (zur Vermeidung von braunen Stellen) angesetzt wird. Der Kohl kommt natürlich auch aus eigenem Anbau.
    Die Pattys werden dann natürlich auf dem Grill landen. Ich merke gerade, dass ich Hunger bekomme…

    Viele Grüße Oliver

    • Jens sagt:

      Hi Oliver,

      klar, so ein „echtes“ Sauerkraut wäre natürlich noch besser und euer Rezept habe ich auch schon vor ein paar Wochen entdeckt. Die Idee zu dem Burger entstand spontan. Ich hatte halt noch einen Kohl-Rest zu Hause und es musste schnell gehen. Dafür, dass das ein 1Stunden-Blitz-Sauerkraut war, war es aber ziemlich lecker.

  • Fabian sagt:

    Leeeeeeeeeeeeeeecker 🙂

  • Katrin sagt:

    Wah, sieht der Burger lecker aus! I

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