The Academy: 4 Gänge und ein Todesfall

Letztes Wochenende stand der Junggesellenabschied eines Freundes an. Und anstatt die Standard sinnlosen Trinkevents in bunten, hässlichen und peinlichen Outfits, stand ein ordentliches Programm auf dem Plan, natürlich aber mit Alkohol :)

Nachdem wir uns alle in der prallen Mittagssonne auf der Alster die Birne und Arme verbrannt hatten, stand am Abend das “Krimidinner” auf dem Plan. In der Speicherstadt über dem Hamburger Dungeon befindet sich die Location vom Krimidinner. Keiner von uns hatte zuvor an solch einem Event teilgenommen und daher wusste auch keiner was uns so genau erwartet. Das einzige was wir wussten war das Thema und das Menü. Das Thema war “The Academy: der 79. Ball der Academy”, welches angelehnt ist an die Oscarverleihung. Dementsprechend waren auch die Tische festlich eingedeckt und “stilechte Abendgarderobe” war angesagt. Im Speisesaal ist Platz für maximal 200 Leute und die Tische sind unterschiedlich groß. Die kleinsten Tische umfassten 8 Gäste, die Großen 20.

Wir saßen an einem 10er Tisch, ganz vorne, sofern man von vorne sprechen konnte. Das Prinzip war, dass man nicht nur ein Theater sieht, sondern auch noch mitspielen muss / kann / soll / darf. Nachdem alle Gäste platzgenommen hatten, kamen die Schauspieler in den Saal und mischten sich ohne große Vorankündigung unter die Gäste. Man sprach uns an mit Sprüchen ala “Ey dich kenn ich doch. Du hast doch diesen Film … wie hieß der nochmal … gedreht” oder “Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Donald Degan. Ich bin der Veranstalter der Academy” usw …

Auf den Tischen standen kleine Brötchenvariationen mit Butter und Kräuterbutter und während alle nach und nach sich daran zu schaffen machten, ging es ohne große Ankündigung los und man war mitten drin. Nach einigen Minuten, in denen unter anderem die Getränkebestellung aufgenommen und serviert wurde, wurden kurz alle Schauspieler in ihren Rollen vorgestellt. 5 Schauspieler gab es und der grobe Plan war, dass die Präsidentin der Academy umgebracht wurde und man im Laufe des Abends rausfinden sollte wer der Mörder ist.

Es folgten dann ungefähr 10-15 Minuten Theater und dann wurde die Vorspeise serviert:

Vorspeisenvariation “Walk of Fame”

Mini Hamburger
Schrimpscocktail Ceasars Style
Räucherlachspraline auf Waldorf-Astoria-Salat
Balsamicoglasierte Schalotte mit Randerpastrami
California Roll mit Avocado, Mango und Sesam
Gefüllte Mini Baked Potato

Alles zusammen wurde auf einem relativ großem Teller, in kleinen Portionen, serviert. Optisch war es schön angerichtet, war aber nichts außergewöhnliches. Geschmacklich waren die verschiedenen Variationen sehr gut. Der Mini Hamburger sah für mich aber ziemlich nach der Kategorie “Fertigburger” aus. Die Frikadelle sah der vom goldenen M oder BK sehr ähnlich und war auch von der Konsistenz eher zäh als frisch und selbst hergestellt. Der Rest konnte jedoch überzeugen und man sah dass alles frisch zubereitet worden war.

Nachdem alle gegessen hatten, ging es weiter mit der zweiten Runde Theater und wieder wurden neue Beweise, Intriegen und Vermuten aufgestellt, wer denn wohl der Mörder sein könnte.

Als Zwischenspeise wurde “Butternut Squash” serviert.

Fruchtige Kürbis-Orangen-Suppe mit gerösteten Kernen und Kernöl.

Die Suppe war einfach nur lecker und gut.  Die einzelnen Zutaten waren schön rauszuschmecken, die Konsistenz und auch die Serviertemperatur waren optimal. Eine rundum gelungene Suppe.

Und wieder das gleiche Spiel. Neue Beweise, Geschichten und Anschuldigungen und mittlerweile hätte jeder der Anwesenden Schauspieler der Mörder sein können. Kommen wir zum Hauptgericht.

“Truthahnröllchen in der Abendrobe”

Gefüllte Truthahnröllchen im Schinkenmantel auf New Orleans-Gemüse mit Cajun-Kartoffeltörtchen und Paprikacreme

Die gefüllten Truthahnröllchen im Schinkenmantel waren sehr lecker. Nicht zu trocken, gut gewürzt und die Füllung (ich bin mir nicht sicher was es war, ich weiß nur es war dunkel grün) war ebenfalls sehr schmackhaftt. Das New Orleansgemüse war lecker, allerdings sehr chililastig. Bei über 20° (abends) mit hoher Luftfeuchtigkeit und einem Raum ohne Klimaanlage, hätte ich mir hier eine kleine Umstellung seitens des Koches gewünscht. Geschmacklich war es jedoch sehr gut. Die Cajun-Kartoffeltörtchen waren mir ein bisschen zu fad, aber dafür bissfest und nicht zerkocht.

Bevor es zum Dessert und Abschluss der Menüs kam, wurden die einzelnen Tische aufgefordert ein Team zu bilden, den Mörder zu finden und 2 Schlüsselszenen aus dem Stück ,die nicht gespielt wurden, in ihrer eigenen Fassung zu schreiben. Dafür wurden Mappen mit Vordrucken verteilt auf denen man alles eingeben konnte und nach ca. 20 Minuten wurden die Mappen eingesammelt und von den Schauspielern durchgelesen. Die beste Idee sollte von den Schauspielern nachgespielt werden.

Nachdem die 2 besten Szenen nachgespielt wurden, wurde noch aufgeklärt was wirklich geschehen war und dann wurde, zum Abschluss des Abends, das Dessert serviert.

Stars’n Stripes

Cranberry-Biskuit-Kuchen mit Blaubeer-Parfait

Das Dessert war angerichtet als US Flagge, hatte eine gute Konsistenz und konnte geschmacklich überzeugen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Geplant ist das Dinner für 4 Stunden. Start war um 19 Uhr und Ende gegen 23 Uhr. Für das Essen wurde einem jeweils 20-25 Minuten Zeit gegeben und zwischen den Gängen wurde zwischen 10-20 Minuten Theater aufgeführt. Dadurch das man in das Stück integriert wird, in unterschiedlichen Situationen und Rollen, macht es das Ganze sehr interaktiv. Man sitzt nicht nur am Tisch und wartet auf sein Essen, sondern wird mit einbezogen, kann mitschreiben, sich Beweise anschauen gehen usw. Während den Essensphasen hat man jedoch seine Ruhe und kann jeden Gang genießen.

Preislich liegt das Menü bei 79 Euro für die großen Tische (bis zu 20 Leute) und 85 Euro für die kleineren (8-10 Personen). Dafür bekommt man 4 Gänge die geschmacklich über den durchschnittlichen Restaurantmenüs liegen und 4 Stunden Unterhaltung. Die schauspielerische Leistung würde ich mittelmäßig einstufen. Gelegentliche Versprecher, für mich zu übertriebenes Agieren und 1-2 andere Kleinigkeiten fielen einem auf. Jedoch geht es sicherlich auch schlimmer.

Ich fühlte mich 4 Stunden gut unterhalten und habe 4 Gänge serviert bekommen, die geschmacklich sehr gut waren. Die Kritik ist kritik auf hohem Niveau. Für das bezahlte Geld bekommt man hier sehr gutes Essen. Getränke muss man zusätzlich zahlen, jedoch sind die Preise ok. Für eine Flasche Spätburgunder von 2008 haben wir 17,50 Euro gezahlt.

Das Stück “the academy….” wird aktuell nicht mehr aufgeführt. Ich war in der letzten Vorstellung dieses Stückes und aktuell läuft das Stück “Tatort TV” mit einem anderen Menü und anderen Schauspielern. Das Menü ist auf der Website des Krimidinners einzusehen.

Für alle die einmal etwas anderes Erleben möchten, kann ich das Krimidinner in der Hamburger Speicherstadt nur empfehlen. Es lohnt sich definitiv.

 

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